Model-Baukasten

Was macht man aus einem Haufen nörgelnder, zickiger, heulender, talentfreier Mädchen im Alter von 15 bis 20?
Richtig, Viva-Moderatorinnen. Sollten sie aber einigermaßen den Schönheitsidealen einer dekadenten, weltfremden und geschmacksfreien Modeindustrie entsprechen, werden sie zuvor von Heidi Klum persönlich durch die Mangel genommen (oder Mangelle, wie Rolf sagen würde).
In einer Art Mischung aus Big Brother und QVC (dämliche Outfits treffen auf dämliche Dämchen) wird in einem KO-System "Germany's Next Topmodel" ermittelt - natürlich durch Zurschaustellung der jeweiligen (un)Fähigkeiten und viel Gezicke. Dass die badische Weinkönigin dabei mehr Medienpräsenz und besseres Betragen aufweist, sei einmal Nebensache. Schließlich ist die ja nicht per Du mit Heidi. Bääh.
Die zickliche Siegerin darf sich dann in ihrem wasserstoffgebleichten Glanzlicht sonnen, bevor sie, wie ihre Vorgängerinnen auch, nach nichtmal einem halben Jahr aus den Köpfen der castingverwöhnten Quotenbringer verschwindet. Und mal ehrlich, die Klamotten, die den Models von der Modemafia aufgetackert werden, würde doch niemand außer zweitklassigen Wrestlern anziehen - männliche zudem.
Aprospos aufgetackert: Heidis Lächeln ist ja so steif, dass sie damit sogar Steine neidisch macht. Pony in die Augen fallen lassen, leeren Blick aufsetzen und minutenlang blöd grinsen. Das erzeugt Spannung, der reine Wahnsinn. Wenn sie dann ein Urteil über eines ihrer Models fällt, ist es die Mühe und Zeit nicht wert gewesen. Aber hauptsache, sie hat es 5 Minuten rausgezögert.
Genug von Heidi, viel wichtiger ist: Wo ist Bruce?
Hat Mr. Lächeln Baby! soviel mit der Lebendigkeit von Fonic zutun, diesem Jamba Sparabo der Discounter-Telefontarife, oder hat man ihn mit einem Küchenmesser von Prada hinterrücks die Kniesehnen durchtrennt, damit er von diesem Frankoköllner Rolf in seiner Funktion beerbt werden kann? Dabei war Bruce doch das einzige Fleckchen Kontrast in der Sendung. In einer Welt der wasserstoffblondierten, blassgezüchteten Kleiderstangen auf Stelzen war der androgyne Afrogermane vor allem eines: Schwarz. Schwarze Anzüge, schwarze Haut, eine ernste Miene - gut, ab und zu wurde er auch mal sentimental, aber alles in allem hatte er mehr Stil im abgespreizten kleinen Finger als die ganze Model-WG zusammen.
An seiner Stelle steht und geht jetzt ein Köllner mit französischem Akzent. Das ist so unlustig wie es klingt.
Lieber wär mir da ein anderer Köllscher Jung gewesen: Rainer Kallmund! Man stelle sich nur mal das Bewertungsgespräch vor. Die Kamera zeigt Heidis starres Lächeln, fährt dann zum ebenso schweigsamen Peyman, während dramatische Musik das Bild untermalt, und plötzlich tönt es von links:
"Mädschen, du bist zwar weiter, aber jetzt holst du mir erstmal eine Bratwurst im Schnitzel, du kannst auch mal beißen!"
Das wäre Entertainment.

26.4.08 14:38

Letzte Einträge: 4 You, In tiefer Anteilnahme zur baldigen Genesung, Trabanten in Oslo

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


fireglow305 / Website (29.5.08 12:45)
Klasse Text.