In tiefer Anteilnahme zur baldigen Genesung

Der Frühling ist da, die ersten Sonnenstrahlen wärmen den Boden und die Haut, aber der böse Winter muss uns noch ein Andenken an die matschig-kalte Jahreszeit zurücklassen. Die letzten Nieser, bevor der Heuschnupfen wieder über das Land rollt, und mit ihnen kommt die schlimmste aller Krankheiten, die die Menschheit sich je ausgedacht hat, der stille Begleiter des hinterhältigen grippalen Infektes, die Anstelleritis.

Eine heimtückische Krankheit. Man weiß, man kann alles, sogar mehr als sonst, wirklich, aber die Krankheit sitzt einem in den Armen, den Beinen, dem Hals, man kann nicht stehen, nicht drehen, nicht reden. Es gibt keine Therapie, keine Selbsthilfegruppen, jeder ist allein, einzige Linderung ist es, sich mitzuteilen. Aber da der Hals einem Schlachtfeld gleicht und sich dieses von selbst und lautstark bemerkbar macht, mehrmals pro Minute (und da die Hände wie gelähmt sind, frei heraus in den Raum), bleibt einem nur ein wehleidig-hilfloses Krächzen und Wimmern. Die Restkälte des Winters zieht direkt unter die Haut und in die Knochen, 2 bis 3 Lagen Rollkragenpullover und eine frisch gemachte Suppe zu jeder Mahlzeit und dazwischen und generell helfen da nur ein klein wenig im schweren Kampf gegen die Lethargie.

Anstelleritis wirkt antiproportional produktiv: Während der Schwerkranke nichts anders tun kann als in seinem Elend zu siechen und anderen das Leid zu verkünden, müssen diese nicht nur die normalen Arbeiten ausführen, sondern selbstverständlich auch den Infizierten pflegen. Die Krankheit ist eben nicht solidarisch, nur einer bekommt sie, einer ist zum Nichtstun verdammt, ein schweres Einzelschicksal. Man ist allein, hilflos, kann vom vielen schlafen schon gar nicht mehr liegen und wird davon nur wieder müde. Und da die aktive Sterbehilfe noch nicht so weit ist, muss man eben die Wochen und Monate abwarten, bis sich Heilung am Horizont abzeichnet: Der Sommerurlaub.
In dem gibt’s übrigens schöne exotische Tropenkrankheiten mit anschließendem Fernweh zum Kombopreis, man frage am besten in seinem Reisebüro nach.

Gute Besserung, euer Engel des Todes

26.4.10 14:33

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