Von Politik und anderen Spirituosen

Bald ist es wieder soweit, das Bundestags-Casting steht vor der Tür. Viele Erstwähler fiebern auf den Tag hin, da sie mit ihrer Stimme das Schicksal des Landes mitbestimmen dürfen.
Okay, eigentlich wollen sie sich nur legal besaufen und Papis Karre vor die Wand setzen, aber viel anders ist Politik auch nicht.
Die letzten Jahre wurde uns gezeigt, dass Bierdeckel auch für die Einkommenssteuer reichen können und manch Politiker anscheinend sein Einkommen in flüssiger Form auf eben diesem Bierdeckel abstellt. Man kann vom Gaseinkäufer über Nacht zum Gasverkäufer werden und als linksradikaler zum Vizekanzler. Auch die Regierungspaarungen waren sehr lehrreich. Von Schwarz-Gelb zu Rot-Grün nach Rot-Schwarz, und es wurde nicht besser. Ganz groß im Gespräch: die Jamaica-Koalition. Jamaica, da denkt man gleich an Rum und andere Rauschmittel. Anders ist die Legislaturperiode dann auch kaum mehr zu ertragen.
Bei der aktuellen politischen Aus-Wahl fragt man sich wirklich, was man wählen soll. Die Parteien machen es einem auch nicht leicht. 5 relativ große Parteien ohne erkennbares Profil schlammschlachten sich gegenseitig ab und versprechen seit Jahren das blaue vom Himmel, und eine Vielzahl von kleinen Themen-Parteien wuselt sich an der 5%-Hürde hoch. Manche werden dabei zu einer neuen Jugendkultur erhoben. Bestes Beispiel: die Piratenpartei. So ziemlich jeder den ich kenne mag sie. Klar, das Parteiprogramm spricht an, Freiheit der Medien. Aber mehr ist es auch nicht. Eine Regierungskompetenz räume ich ihnen damit noch nicht ein. Aber was nicht ist kann ja noch werden, die Grünen haben ja auch mal als kleine Tierschutzpartei angefangen. Moment, eine Tierschutzpartei steht doch auch zur Wahl.
Kommt es mir nur so vor oder sind die meisten Parteien mehrfach vertreten. Die zwei Rentner-Parteien sorgen sicher dafür, dass unsere Altwähler auch bei zittrigen Fingern das Kreuz an der richtigen Stelle machen, aber alles in allem fühlt man sich doch wie beim Politik-Memory - kreuze 2 gleiche Parteien an, dann darfst du nochmal. Oder soll das einfach nur das Stammtischfeeling wiedergeben, das man ja schätzt und mag? Da bekommt man auch schon mal nen Zettel vorgelegt und sieht alles doppelt...
In Bayern zeigt sich hingegen, dass freie Wahlen und Alkoholgenuss nicht immer zu guten Ergebnissen führen. Die Bayernpartei tritt zur Wahl an, eine Partei von Bayern aus Bayern für Bayern. Schaut man in ihr Wahlprogramm, wird auch klar was da abgeht: Eine Separatistensekte, die die Abspaltung Bayerns von Restdeutschland will. Gut, will ich auch, aber können wir die nicht einfach auf ne Insel exportieren und es gut sein lassen? Muss sich dafür eine Partei, die den Staatenbund verleugnet, in das Parlament des Staatenbundes wählen lassen? Ich räume dem Autonomen Bundesgebiet Mallorca eine wichtigere Rolle für Gesamtdeutschland ein als unserem Freistaat Oktoberfest, die integrieren sich nämlich besser, trotz selbstproklamiertem König.
Wie man sieht hat unsere politische Landschaft so viel Auswahl wie eine halbwegs gute Kneipe, nur gibt sie sich nicht mehr mit Promilleangaben zufrieden. Manchmal wird gepanscht, manchmal wirds hinterher teurer als gedacht und man könnte schwören dass man was anderes bestellt hatte. Aber so ist das bei der Wahl. Wichtig ist nur, dass man selber bestellt, sonst kriegt man was altes abgestandenes oder zu radikalen Stoff.
Bis dann am Wahltresen,

Euer Engel des Todes.

14.9.09 21:03

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