BZSZ: Bundes Zeiten - Schlechte Zeiten

Deutschland hat eine neue Landwirtschaftsministerin. Ilse Aigner aus dem schönen Bayern beerbt Horst Seehofer, der dafür die Herrschaft.. pardon, die Regierung über Bayern übernehmen will. Schlagartig hat sich die Situation für die Bundes-Bauern massiv geändert: Wo vorher ein bayrischer Hardliner mit bayrischem Akzent die Bauern anführte, ist es jetzt eine Frau.
Aber Spass beiseite, kommen wir zu dem wirklichen Bewegpunkt dieses Beitrags. Dass Ilse Aigner diesen Posten übernehmen soll, wurde natürlich auch über das Radio rundgefunkt. Und ich habe es leider anhören müssen. Kompetente Berichterstattung wie immer.
"Und sie sieht ja auch gut aus"
"Frau Merkel wird sie sicher mögen, sie hat ja eine technische Ausbildung"
"Mit den anderen Frauen im Kabinett könnte es schwieriger werden".
Kommt es mir nur so vor, oder klingt das nach unglaublich schlechter Seifenoper (neudeutsch: Soap oder, ganz abstrakt, Telenovela)?
Nächste Woche bei "Gewählt in Berlin": Die Neue ist da, und Ulla wird depressiv. Cheffin Angie findet sie aber ganz supi und geht mit "Ilsi" erstmal shoppen. Aber Siggi und Wolle von der SPD-Gang sind schon hinter ihrem Dirndl her..
So oder so ähnlich stelle ich mir die Gedankengänge dieses Berichterstatters vor. Ich glaube, der hält die Bundestagswahl wirklich für ne Dauer-Reality-Sendung.
In diesem Sinne: Umschalten bitte.

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Model-Baukasten

Was macht man aus einem Haufen nörgelnder, zickiger, heulender, talentfreier Mädchen im Alter von 15 bis 20?
Richtig, Viva-Moderatorinnen. Sollten sie aber einigermaßen den Schönheitsidealen einer dekadenten, weltfremden und geschmacksfreien Modeindustrie entsprechen, werden sie zuvor von Heidi Klum persönlich durch die Mangel genommen (oder Mangelle, wie Rolf sagen würde).
In einer Art Mischung aus Big Brother und QVC (dämliche Outfits treffen auf dämliche Dämchen) wird in einem KO-System "Germany's Next Topmodel" ermittelt - natürlich durch Zurschaustellung der jeweiligen (un)Fähigkeiten und viel Gezicke. Dass die badische Weinkönigin dabei mehr Medienpräsenz und besseres Betragen aufweist, sei einmal Nebensache. Schließlich ist die ja nicht per Du mit Heidi. Bääh.
Die zickliche Siegerin darf sich dann in ihrem wasserstoffgebleichten Glanzlicht sonnen, bevor sie, wie ihre Vorgängerinnen auch, nach nichtmal einem halben Jahr aus den Köpfen der castingverwöhnten Quotenbringer verschwindet. Und mal ehrlich, die Klamotten, die den Models von der Modemafia aufgetackert werden, würde doch niemand außer zweitklassigen Wrestlern anziehen - männliche zudem.
Aprospos aufgetackert: Heidis Lächeln ist ja so steif, dass sie damit sogar Steine neidisch macht. Pony in die Augen fallen lassen, leeren Blick aufsetzen und minutenlang blöd grinsen. Das erzeugt Spannung, der reine Wahnsinn. Wenn sie dann ein Urteil über eines ihrer Models fällt, ist es die Mühe und Zeit nicht wert gewesen. Aber hauptsache, sie hat es 5 Minuten rausgezögert.
Genug von Heidi, viel wichtiger ist: Wo ist Bruce?
Hat Mr. Lächeln Baby! soviel mit der Lebendigkeit von Fonic zutun, diesem Jamba Sparabo der Discounter-Telefontarife, oder hat man ihn mit einem Küchenmesser von Prada hinterrücks die Kniesehnen durchtrennt, damit er von diesem Frankoköllner Rolf in seiner Funktion beerbt werden kann? Dabei war Bruce doch das einzige Fleckchen Kontrast in der Sendung. In einer Welt der wasserstoffblondierten, blassgezüchteten Kleiderstangen auf Stelzen war der androgyne Afrogermane vor allem eines: Schwarz. Schwarze Anzüge, schwarze Haut, eine ernste Miene - gut, ab und zu wurde er auch mal sentimental, aber alles in allem hatte er mehr Stil im abgespreizten kleinen Finger als die ganze Model-WG zusammen.
An seiner Stelle steht und geht jetzt ein Köllner mit französischem Akzent. Das ist so unlustig wie es klingt.
Lieber wär mir da ein anderer Köllscher Jung gewesen: Rainer Kallmund! Man stelle sich nur mal das Bewertungsgespräch vor. Die Kamera zeigt Heidis starres Lächeln, fährt dann zum ebenso schweigsamen Peyman, während dramatische Musik das Bild untermalt, und plötzlich tönt es von links:
"Mädschen, du bist zwar weiter, aber jetzt holst du mir erstmal eine Bratwurst im Schnitzel, du kannst auch mal beißen!"
Das wäre Entertainment.

Synchronwassersport - mal anders

Der Mensch hat eine Blase und ist ein Herdentier. Meine Großeltern beweisen das jede Nacht aufs Neue, und gleich beide Behauptungen auf einmal. Dabei sind ihre Blasen anscheinend keinen physikalischen Gesetzen unterworfen, sondern eher einem Gruppenzwang. Geht der eine, geht der Partner kurz darauf auch, ach wenn er nicht wirklich muss. Solidarität beginnt auf der Toilette.
Und aus der Häufigkeit dieses Rituals lässt sich folgern, dass die Füllmenge der Blasen nicht an die Flüssigkeitszufuhr vom Vortag gekoppelt ist. Andernfalls müssten meine Großeltern schon längst vertrocknet sein. In der Sahara würde man sie wohl als Wanderoasen verehren. Ein recht unhygienischer Gedanke, zugegeben. Aber wahr.
Warum ich das schreibe? Nun, ich liege gerade in meinem Bett und das Bad ist direkt nebenan!
Gute Nacht, und Hände waschen nicht vergessen.

Sp(r)itzensport

Jan Ullrich, seines Zeichens ehemaliger Radsportler und angeklagt wegen dopings, zahlt, natürlich freiwillig, einen sechsstelligen Betrag (250.000€) an Hilfsorganisationen und wird dafür der Anklage enthoben, der Imageschaden sei ja Strafe genug.
Gut, Ullrichs Image ist wirklich dahin, so wie das des gesamten Radleistungssports, einer Disziplin, in der viele so genannte Profis eher an der Nadel zu hängen scheinen als auf ihren Rädern. Aber da ja anscheinend alle beschissen haben, war es ja wieder ein fairer Sport, oder wie darf man es verstehen, dass ein mehrfacher Millionär, der für seine öffentlichen Auftritte als Ikone des Sports und der Gesundheit viel Geld eingeheimst hat, einfach so freigesprochen wird, weil er mit etwas Geld armen Menschen hilft. Für mich ist das schmutziges Geld, an dem das Blut vieler Fans des Sports klebt. Und das schlimme daran ist, dass egal wem die Spende gilt, sie angenommen werden muss, denn im karitativen Bereich rettet jeder Euro Leben.
Natürlich war die Spende freiwillig, Herr Ullrich, und Sie geben damit ja auch nicht zu, dass Sie in irgendeiner Form schuldig sein könnten. Sie haben sich ja soeben freigekauft!
Ein Gutes hat es aber. Wenn diese Methode von anderen Sportlern abgeguckt wird, kann Unicef den armen Kindern in Afrika viele neue Fahrräder kaufen.

Der neue Reiter

Die Apokalyptischen Reiter sorgen seit jeher für Leid und Qualen. Aber hier möchte ich nicht weiter auf die Band eingehen, sondern auf ihre historisch-biblischen Vorbilder. Und die haben ein Problem. Tod, Krieg und Hunger haben derzeit viel zu schaffen, aber Krankheit geht es schlecht. Immer mehr seiner Vasallen werden niedergerungen. Pest liegt unter der Erde, Cholera geht es schlecht, und Typhus schmort unter der Südsonne. Also schaun sich die drei schon mal nach Ersatz um. Etwas, dass genauso grausam ist wie sie. Etwas, das ohne Vorwarnung kommt. Etwas, das überall auf seine Opfer lauert.
Rosa.
Man merkt es kaum, wenn Rosa über einen herfällt. Erst ist es nur die Krawatte, eine Blumenvase oder ein Stift. Aber dann wird es immer mehr! Rosa Hemden laufen mit ihren willenlosen Trägern durch die Straßen, getragen von rosa Schuhen und rosa Sportsocken! Rosa Pudel werden in rosa Handtaschen spazieren getragen, und rosa Autos fahren durch die Straßen, aus ihren Anlagen dröhnt, genau, Pink! Rosa wird uns heimlich überrennen, bald gibt es rosa Betonbauten, die sich in einen rosa Himmel erheben, denn selbst vor der Sonne macht es nicht halt!
Tod, Krieg und Hunger reiben sich schon die Hände an Krankheits Sterbebett, während dieser seine letzten Worte keucht:
"Ich sehe einen Tunnel aus Licht! Dieses Licht! Es ist... ROSA!!"